VIZSLA VOM HOLSTEINER BROOK

Jagdliche Zucht auf Form, 
Anlage und Leistung im VDH

 

 

 

 

 

ie kommt man eigentlich auf
den Gedanken Jagdhunde zu züchten?

 

 

Tja, wie kommt man auf so einen Gedanken? Nun, den ersten Vizsla habe ich vor vielen Jahren in einer Münchner Kneipe gesehen. Mir ging‘s da so, wie den meisten Menschen: Mir gefiel sein Äußeres und seine Art. Nur den Namen konnte ich mir nicht merken. Irgendwas mit „wischen“ … In Berlin sah ich dann irgendwann noch einen, und diesmal machte ich es besser: Ich schrieb mir den Namen auf, ging in die Bibliothek und informierte mich, denn ich suchte einen Hund und der gefiel mir. Es gab damals noch sehr wenige Züchter, und im Nachhinein musste ich erkennen, dass ich bei einer Vermehrerin gelandet war. Die Hündin war zur Gebärmaschine degradiert, wurde zwei Mal im Jahr belegt, sah ausgezehrt und elend aus. Und die Welpen? Statt eine anständige, liebevolle Prägephase zu durchleben, absolvierten sie ein Überlebenstraining im Zwinger. Überdies war es der Frau vollkommen egal, wer einen der Welpen nahm, solange er nicht um den Preis feilschte. Kurz: Nichts war wie es sein sollte, aber ich nahm trotzdem einen Welpen und bildete mir ein, ich hätte ihn gerettet.

 

Dann lernte ich Philip kennen. Er ist einer dieser Menschen, für die die Engländer den Begriff „a doggy person“ erdacht haben. Hunde spielten in seinem Leben immer eine Rolle: weil er in eine „Hundefamilie“  hineingeboren wurde, immer Hunde hatte, als Autor zahlreiche Bücher, Reportagen und Fachartikel geschrieben hat. Er hatte zwei Terrier, und gemeinsam adoptierten wir noch einen Vizsla aus schlechter Haltung. Buck war ein übermäßig großer, absolut verkorkster Hund, der bis dahin täglich viele Stunden allein in der Wohnung verbringen musste, Lichtreflexen hinterher jagte und kurz vor dem Hospitalismus stand. Die Nase? Die diente als Puffer, wenn er gegen die Wand sprang … Kurz: Er kannte nichts und konnte nichts, war aber ein so unglaublich netter Kerl, dass Philip beschloss, ihn jagdlich auszubilden.

Jagd hat viel mit Traditionen zu tun, nicht immer werden neue Gedanken und Wege akzeptiert, wer „neu denkt“ häufig belächelt. Und so war es auch hier: Aus Buck einen „brauchbaren Hund“ zu machen war ein von vielen Jägern kritisch beäugtes Experiment – und ein großer Erfolg. Außerdem machte es Spaß, und so machten wir weiter.

 

Im April 2010 kam Chilli zu uns. Sie hat alles, was ein guter Jagdhund haben sollte: gute Anlagen, viel Passion und jede Menge Freude an der Arbeit. Der Gedanke, vielleicht eines Tages mit ihr zu züchten lag nahe ...– wenn sie alle Bedingungen zu einer Leistungszucht erfüllen würde. „Einfach so“ in die Welt gesetzte Vizsla gibt es nämlich schon genug. Und worum geht es denn bei einem Rassehund? Nur ums Aussehen, Fell und Größe? Auch, bei Arbeitshunden aber geht‘s vor allem um Anlagen und Leistung.

 

Bei Chili stimmt in Sachen Leistung alles: Sie hat eine sehr gute Jugendsuche absolviert, ein hervorragendes Ergebnis auf der Herbstzucht-Prüfung erreicht, ihre Brauchbarkeit „mit Links“ erledigt und wurde bei der Zuchtauslese-Prüfung des VUV 2011 in Geiselhöring auch bereits für die Zucht auf „Anlage und Form“ gekört. Anfang Oktober 2012 schließlich hat sie die VGP, die „Meisterprüfung“ der in Deutschland geführten Jagdhunde mit hervorragenden 317 Punkten im 1. Preis bestanden – die Voraussetzung für die Zucht auf „Anlage und Leistung.“

 

Im April 2013 fiel ihr erster Wurf. Im Nachhinein können wir sagen: es war eine aufregende und anstrengende, aber auch sehr schöne Zeit. Wir haben uns sehr viel Mühe mit der Auswahl der Welpenbesitzer gegeben, sind sehr froh, zu allen auch noch regelmäßig Kontakt zu haben, und sehr stolz, dass wir im April 2014 mit allen Welpen gemeinsam zur Jugendsuche angetreten sind. "Sieben von sieben", deren neue Besitzer sich die Mühe machen, einen kompletten "Prüfungszyklus" zu durchlaufen, mehr geht nicht für einen Züchter. Und von den tatsächlich sieben phänomenalen Ergebnissen abgesehen, war es schön zu sehen, dass wirklich alle Hunde in guten Händen sind.

 

Im November 2015 fiel der B-Wurf. Wieder waren es sieben Welpen, und weil wir schon sehr früh mit der Suche und Auswahl der Welpen-Interessenten begonnen hatten, waren sie am Tag ihrer Geburt auch bereits vergeben. Die ersten Wochen waren diesmal anstrengender. Der Winter war einigermaßen kalt, die Prägung deshalb ein wenig schwieriger, verlangte Improvisation und die Ausflüge ans Wasser fielen aus. Dafür fanden wir uns mit der ganzen Truppe beim Streckelegen der Raubwildwochen wieder, waren mehrfach auf dem Schießstand zu Gast und verbrachten gefühlt "unendlich viele" Stunden auf dem Holzplatz, im Knick und zwischen den Heuballen in der Scheune. Den Rest der Zeit verschliefen die "wilden Sieben" vor dem Ofen im Wohnzimmer. Unterm Strich eine ziemlich abwechslungsreiche Zeit.

 

In Kürze erwarten wir unseren C-Wurf. Es wird Chillis letzter Wurf werden. Sicher aber ist: eine ihrer Töchter wird bei uns bleiben. Und ob wir dann weiter züchten hängt davon ab, ob wir sie durch alle Prüfungen bis hin zur VGP bringen, sie die medizinischen Untersuchungen besteht und gekört wird.